Granitfelsen, Weinberge, riesige Schleusen und jede Menge Portwein

Boot

Eine Woche unterwegs mit Nicko Cruises auf dem Douro in Portugal.

Die iberische Halbinsel hält für Flusskreuzfahrtliebhaber eine interessante und abwechslungsreiche Wegstrecke bereit. Den Douro! Der Douro ist der drittlängste Fluss dieser Halbinsel. Seinen Ursprung hat er in der Provinz Soria und er durchfließt Nordspanien und Nordportugal bevor er in der Stadt Porto in den atlantischen Ozean mündet. Der Douro hat ungefähr eine Länge von 897 km davon sind ca. 200 Km schiffbar, wobei davon unlängst die letzten Meter einem Gebirgsbach ähneln.

Die Stadt mit den sechs Brücken

Per Direktflug geht es nach Porto ab Frankfurt, die Flugzeit beträgt ca. 2 Std. und 10 min. und ist daher sehr angenehm. Am Ankunftsterminal erwartet uns eine Nicko Cruises Mitarbeiterin, welche uns herzlich in Empfang nimmt. Mit einem Bulli bringt sie uns in etwa 30 min. zum Schiff. Der Douro Cruiser liegt in Vila Nova de Gaia, auch Gaia genannt. Gaia ist ein Stadtteil von Porto und sehr bekannt für seine Portweindestillerien. Der Liegeplatz des Nicko Cruises Flusskreuzfahrtschiffes ist sehr zentral.

Nach dem “Check In” bleibt noch genug Zeit, um einen ersten Eindruck von der Stadt Porto fußläufig zu gewinnen. Viele Restaurants und einige Souvenirshops laden zum Verweilen ein. In Portgual ist Fisch das Nummer Eins Gericht. Es duftet verführerisch auf dem Weg zur 385 m langen Brücke Dom Luis I , welche über den Fluss Douro in die Altstadt von Porto führt. Die Brücke ist 60 m hoch, auf der oberen Ebene fährt die Straßenbahn und es gibt einen Fußgängerüberweg. Die Gondeln der Seilbahn schweben luftig hoch über der Flaniermeile. Wer nicht zu Fuß hochgehen möchte oder kann, dem ist die Seilbahnfahrt für Oneway 6 Euro zu empfehlen.

Von der Brücke gewährt sich ein schöner Blick über das Städtchen und den Atlantik. Das Wetter hält sich noch ganz gut, dafür dass ein Sturmtief aus Deutschland erwartet wird. Auch in der Altstadt Ribeira von Porto gibt es zahlreiche einladende Cafés und Restaurants. Wir bummeln etwas, es beginnt zu regnen. Es ist Zeit zum Schiff zurückzukehren. In der Kabine mit Balkon bereiten wir uns auf das Abendessen vor.

Serviert wird ein Vier-Gänge-Menü bestehend aus Vorspeise, Suppe, Hauptspeise und Dessert. Die Hauptspeise kann meist zwischen zwei Gerichten gewählt plus die vegetarische Variante. Das Restaurant befindet sich im Unterdeck.

Müde von der Anreise fallen wir ins Bett. In der Bar nehmen andere Gäste noch das ein oder andere Getränkt zu sich. Der Bordmusiker spielt auf dem Keyboard. Hier lernen sich Gäste schnell kennen und austauschende Gespräche finden statt.

Portwein ist das Markenzeichen

Bis kurz nach dem Mittagsessen bleiben wir mit dem Douro Cruiser noch in Vaia de Gaia liegen. Der gebuchte Ausflug beginnt um 8:45 h, die Busse mit der örtlichen Reiseleitung stehen bereit. Es wird mit einer Stadtrundfahrt gestartet, da der Bus nicht durch jede der engen Gassen fahren kann, fahren wir manches Mal doppelt eine Straße. Gerade in den Morgenstunden gesellt sich noch der Berufsverkehr dazu. Zusammen gehen wir zur Kathedrale, von welcher sich ein toller Blick über die Douromündung zum atlantischen Ozean ergibt. Gerade von höheren Punkten lässt sich die Schönheit der Küstenstadt gut aufnehmen. Der Bahnhof mit seiner  “Geschichte auf Fliesen” ist interessant und bietet das ein oder andere Fotomotiv für die Gäste. Hier sollte man allerdings auf Taschendiebe achtgeben. Bevor der Bus uns zur Weinprobe bringt, haben wir ein wenig Freizeit und bummeln durch die Straßen. An der Kathedrale gibt es einen kleinen Fischmarkt und neugierige Möwen.

Granitfelsen, Weinberge, riesige Schleusen und jede Menge Portwein

Die Küstenstadt Porto hat sechs Brücken und ist bekannt für die Portweinherstellung. Mit ca. 214.000 Einwohnern ist Porto die zweitgrößte Stadt nach Lissabon in Portugal. Kopfsteinpflaster und Restaurants zeichnen die Stadt besonders im mittelalterlichen Viertel Ribeira aus. Die schmalen Gassen zwischen den hohen bunten Häusern wirken wie ein Labyrinth. Über 14 Portweinkeller laden zum Besuch und zur Weinprobe ein.

Die Führung durch die große Weinkellerei Ferreira ist der letzte Teil des Ausflugs. Es werden viele Informationen und wissenswertes über die Portweinherstellung vermittelt. Portwein ist quasi Weinlikör.

Die Weinbauerfamilie Ferreira produziert seit 1751 Portwein. Die Süße erhält der Portwein durch die Unterbrechung des Reifeprozesses. Anschließend findet natürlich eine Verkostung des Produktes in einem tollen Ambiente in den Räumlichkeiten des Herstellers statt.

Malerische Kulisse

Das mehrgängige Mittagessen wartet bereits im Restaurant des Douro Cruisers. Wir setzen uns an den gedeckten Tisch und lassen die Gaumen mit lecker gedünstetem Heilbutt, Zucchini, Zitronenbutter und Kartoffelmöhrenpüree verwöhnen während das Schiff bereit zum Auslaufen gemacht wird. An manchen Anlegestellen liegen die Schiffe oft nebeneinander, so musste erst das andere Schiff von uns ablegen, damit wir uns auf die Reise machen können.

Vom Wasser aus sieht Vila de Gaia und auch Porto mit der Altstadt malerisch aus. Eine tolle Kulisse vom Wasser aus. Die alten traditionellen Boote mit den Weinfässern gehören unverkennbar zum Stadtbild dazu. Die Rabelos, so der Name dieses Bootstyps, dienten in Portugal zum Transport von Weinfässern. Dabei trieben die Rabelos mit der Flussströmung vom Anbaugebiet am oberen Douro bis zu den Produktionsstätten des Portweins in Vila Nova de Gaia und Porto den Fluss hinunter. Eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass es damals die Schleusen nicht gab.

Wir unterfahren viele Brücke und erreichen nach knapp einer Stunde passieren wir die erste der fünf Schleusen auf dem Douro. Die Crestuma – Lever Schleuse überbrückt einen Hub von 14 Metern. Am späten Nachmittag legen wir in Bitetos zur Übernachtung an, denn auf dem Douro herrscht Nachtfahrverbot. Ein Spaziergang durch den kleinen beschaulichen Ort mit schönen Blumen, Orangenbäumen und einer typisch portugiesischen Gaststätte tut gut bevor der Regen in Sturm wechselt. Kleine Wellen bilden sich auf dem Douro, es pfeift an den Balkontüren der Kabine, irgendwie ist es gemütlich, obwohl wir eher spätsommerliches Wetter erwartet hatten.

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Gefangen in Beton

Am nächsten Morgen erreichen wir früher als gedacht die zweite Schleuse unserer Douro-Flussaufwärtsfahrt. Fast fertig mit dem Frühstück, wird schnell die Kamera von der Kabine auf dem Mitteldeck geholt. Dieses imposante Ereignis lässt sich kein Flusskreuzfahrer entgehen. Das Kraftwerk und die Schleuse Barragem do Carrapetelo wurden 1972 fertiggestellt. Mit 35 m Hub ist dies der größten Schleusungsvorgang auf der Flusskreuzfahrt mit dem Douro Cruiser von Nicko Cruises. Wir stehen in der Warteschleife vor dem Schleusentor. Nach einigen Minuten öffnet sich das Tor und zum Vorschein kommt ein Flusskreuzfahrtschiff. Ich frage mich, wie soll es herausfahren? Es ist Millimeterarbeit vom Kapitän, das Schiff scheint von den hohen Betonwänden gefangen zu sein. Langsam und Stück für Stück wird es in die Freiheit manövriert. Die Schiffe geben sich gegenseitig akustisches Signal, die Gäste winken sich zu. Reling an Reling stehen sie sich gegenüber so wie zu Hause am Gartenzaun, im Pool des anderen Schiffes zieht eine Schwimmerin ihre Bahnen. Bilder die für immer bleiben, Urlaubserinnerungen mit Nicko Cruises.

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Dann setzen wir unsere Einfahrt fort. Die Gäste stehen auf dem Sonnendeck und erleben das Schauspiel live mit. Wie klein man sich vorkommt, wenn der Blick die steilen, nassen und hohen Betonwände empor schweift. Die Schleuse schließt sich am Schiffsheck, das Wasserzulauf startet. Es ist erstaunlich in welcher kurzen Zeit wir uns hochgeliftet haben. Die Fahrt auf dem Douro kann fortgesetzt werden. Ein Blick zurück und das Fahrwasser vor der Schleusung wirkt so klein und weit weg.

Der folgende Streckenabschnitt wird von den meisten Gästen auf dem Sonnendeck verbracht, dieses ist nun wieder geöffnet, denn für die Ausfahrt aus der Schleuse wurden diverse Sachen heruntergeklappt, um aus der Schleuse herausfahren zu können. Viele Brücken sind sehr niedrig, deshalb gibt es hier auch nicht so große Flusskreuzfahrtschiffe wie auf dem Rhein. Überhaupt ist um diese Jahreszeit nicht viel Schiffsverkehr unterwegs. Es ist oft schön ruhig.

Haus am Hang

Das Ufer ist abwechslungsreich mit Häusern, Yachthäfen und Bäumen, deren Blätterkleid langsam in die herbstlichen Farben wechselt. Schließlich wechselt die Landschaft langsam in das berühmte Dourotal-Weinanbaugebiet. Terrassenförmig schlängeln sich die vielen Weinstöcke an den Hängen in den Farben grün und rot. Es ist ein schönes Farbenspiel. Hier und da hat der Douro Kurven und er wird an einigen Passagen merklich schmaler. Die Bahnstrecke führt direkt am Fluss entlang.

Der nächste Stopp ist in einem abgesperrten Hafengebiet. Dieser Stopp dient zur Auffüllung der Lebensmittel an Bord. Hier nutzen wir die Zeit für einen kleinen Spaziergang, nachmittags wechselt der Douro Cruiser seinen Liegeplatz in die gegenüberliegende Stadt Peso de Régua. Gleich nach dem Vier-Gänge-Mittagessen im Bordrestaurant beginnt unser Ausflug. Übrigens können die  Ausflüge einzeln gebucht werden oder als Vorzugspreis im Paket.

Himmelsleiter zur Barockkirche

Mit dem Reisebus, welcher uns auf der gesamten Reise samt örtlicher Reiseleitung begleitet, fahren wir über die Autobahn in das bekannte Pilgerstädtchen Lamego. Die Anfahrt führt uns immer bergauf durch das beschauliche Weinanbaugebiet. Seit 2001 gehört dieses zum UNESCO Weltkulturerbe.

Santuario de Nossa Senhora dos Remedios ist eine katholische Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Zur Barockkirche führen 686 Treppenstufen, die sogenannte Himmelsleiter, hinauf, wenn man einen Besuch aus dem Ort Lamego vorhat. Wir fahren bequem mit dem Bus zum Parkplatz bei der Kirche. Vor dem Kircheneingang werden Rosenblätter aufgefegt, vor wenigen Minuten hat eine Hochzeit stattgefunden. Wenn man einige der Treppenstufen hinunter geht, eröffnet sich ein neuer Blickwinkel auf die Kirche und die Fliesenwandmalereien sind besser sichtbar. Auch ein Blick in die Kirche ist lohnenswert.

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Schließlich bleibt noch eine Stunde freie Zeit in Lamego, dem Pilgerort mit Sitz eines katholischen Bistums. Im T-Shirt wird es jetzt doch langsam kalt, eigentlich ist es ja auch schon Ende Oktober. Wir nutzen die Zeit für einen Museumsbesuch, dieser ist mit im Ausflug enthalten. Durch Vorzeigen der Bordkarte erhalten die Douro Cruiser Gäste freien Zutritt.

Die Rückfahrt über die Landstraße hinab zum Fluss Douro bietet wieder einmalige Ausblicke auf die terrassenförmigen Weinberge. Das Schiff erwartet uns mit dem Abendessen. Vorher bleiben noch ungefähr 1 1/2 Stunden Zeit für Entspannung auf der Kabine oder für einen kleinen Bummel entlang der Hafenpromenade. Als Tipp: Die modernen Weinlokale im vorderen umgebauten Bahnhofsbereich für Weinliebhaber sind fußläufig in etwa 15 Minuten vom Schiff aus zu erreichen. Sie sind modern und urig eingerichtet, es gibt auch einen kleinen Außenbereich mit Blick auf die Sandemann Figur hoch oben auf dem Berg im Sonnenuntergang.

Granitfelsen, Weinberge, riesige Schleusen und jede Menge Portwein

Nachdem Abendessen lädt die Kreuzfahrtleitung die Gäste zu einer Folklore- und Fadoshow in die Lounge ein. Es macht allen sichtlich Spaß der portugiesischen Musik zuzuhören. Nachts bleibt der angekündigte Regen aus. Hoffentlich gibt es morgen Sonne und das Tiefdruckgebiet zieht weiter.

Barocke Holzdecken und faszinierende Gärten

Über Nacht lag der Douro Cruiser in Régua. Zum Frühstück am heutigen Sonntag gibt es Sekt. Der Ausflug zum Mateuspalast beginnt von hier, Gäste die nicht diesen Ausflug gebucht haben, bleiben auf dem Schiff. Während des Ausflugs fährt der Douro Cruiser weiter nach Pinhao, um dort die Kulturinteressierten wieder einzusammeln.

In etwa einer halbe Stunde Busfahrtzeit sind wir am Palast, es regnet – jetzt ab und zu auch stärker. Es war ein guter Tipp von der Reiseleitung, einen Regenschirm mitzunehmen. Der Fußmarsch vom Bushalteplatz ist kurzweilig. Der Mateuspalast wird gerne mit einer Spiegelung auf Fotos festgehalten. Etwas gelingt es, der Regen macht einen kleinen Strich durch die Rechnung.

Bei der Besichtigung der Innenräume des Mateuspalastes fallen sofort die aufwendig gearbeiteten Holzdecken auf. Das Mobiliar ist aus verschiedenen Epochen, die Malereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert und noch zu erwähnen ist die Bibliothek mit seiner bemerkenswerten Ausgabe der Lusiaden. Der Mateuspalast ist Namensgeber für den Massenwein Mateus Rosé und ziert das Etikett des solchen.

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Der von Nasoni entworfene Barockpalast ist außerdem noch für seinen großen Park bekannt. Viele Rosen, in Formen geschnittene Buchsbaumhecken, große Bäume und toll angelegte Wege und Gärten. Es lohnt auf jeden Fall nach der Besichtigung des Palastes ein Bummel durch den Garten, gerade regnet es auch etwas weniger. Es sieht alles so schön herbstlich aus, die Farbpalette des Herbstes begegnet uns in voller Pracht. Rötliche Blätter, gelb eingetauchte Bäume vermischt mit Grün. Immer wieder gibt es neue Fotomotive.

Ein Glück sitzen wir im Bus als es kräftig regnet, die Fahrt führt durch wundervolle Weinberge in die Stadt Pinhao, wo bereits der Douro Cruiser liegt. Wir steigen hinzu und werden bei dem nassen Wetter herzlich von der Crew mit einem warmen Tee begrüßt.

Der Douro Cruiser wartet auf unseren Zustieg in Pinhao.

Noch vor dem Mittagessen schieben sich ein paar Wolken zur Seite und die Sonne zeigt sich. Im schwachen Sonnenlicht kommen die Weinberge mit den herbstlich schimmernden Farben jetzt richtig zur Geltung. Während des Mittagsessens passieren wir die engste Stelle des Douro kurz vor der Schleusung mit der 33 m Hub Valeira Schleuse. Hier lohnt es wirklich an Deck zu gehen. Diese Flusspassage ist die beschaulichste, es kann nur ein Schiff hindurchfahren, für ein entgegenkommendes Kreuzfahrtschiff warten wir an Pollern. Es ist sehr imposant bei dieser Passage auf dem Sonnendeck zu stehen. Kaum zu glauben, dass hier ein Schiff entlang fahren kann. Ich gehe schnell zum Heck des Douro Cruisers,  um den zurückgelegten Wasserweg in der Schlucht noch einmal Revue passieren zu lassen.

Wasserwege, die einem Gebirgsbach ähneln.

Baked Alaska

Am Nachmittag lacht für uns die Sonne immer mehr, es war zuvor unvorstellbar, dass der Nachmittag so schön bei angenehmen 19 Grad auf dem Sonnendeck wird. Die meisten Gäste machen es sich bequem und genießen die sanfte Durchfahrt im Dourotal. Hin- und wieder kommt ein Flusskreuzfahrtschiff uns flussabwärts entgegen. Es ist ein Brauch, dass sich die Schiffe mit akustischem Signal begrüßen. Die Gäste winken sich zu.

Heute wird zu Kaffee und Kuchen in die Lounge eingeladen bevor es am Abend das Galadinner gibt. Das Galadinner wird im Restaurant in sechs Gängen serviert. Begrüßt werden die Gäste nach der Handdesinfektion vor dem Restaurant (eine Hygienemaßnahme vor jedem Besuch der Gäste des Bordrestaurants, sowie morgendliche Temperaturkontrolle vor dem Frühstück) mit einem typischen portugiesischen Aperitif – dem Portotonic (Portwein mit Tonicwater, Eiswürfel und Orange). Zur Vorspeise Meeresfrüchte (Garnele, Muschel, Tintenfisch), eine Spargelcremesuppe mit Trüffelöl und Pilzen und Hauptspeise Nummer Eins Lachs mit Risotto. Als leichter Zwischengang schwarzes Wodka Sorbet bevor die zweite Hauptspeise schon von den Kellnern verteilt wird. Diese ist ein auf den Punkt gebratenes Rinderfilet in Madeirasauce mit Kartoffelgratin und sautierten Pilzen. Überraschung beim Dessert, das Licht geht aus und die Kellner erscheinen mit einer flammenden Eiskreation – dem angekündigtem “Baked Alaska”.

Die springenden Fische des Douro

Der Morgen ist mit Sonnenschein erwacht. Der Fluss liegt ruhig und spiegelglatt im Tal, die schöne Bogenbrücke des Ortes lässt ein imposantes Fotodoppelmotiv erscheinen. Es ist beschaulich, kein Mensch ist zu sehen. Viele Vögel sind bereits erwacht und es zwitschert aus allen Bäumen. Im Fluss ist auch vieles los, die Kormorane nutzen die Gunst der Morgenstunde und suchen nach Futter. Überall plitscht und platscht es, kleine Fische springen immer wieder an die Wasseroberfläche, sie werden gejagt. So viel Natur, hautnah – es lohnt sich früh aufzustehen. Ich gehe auf die große Brücke im Ort, langsam geht hinter den Bergen mit einer vorgelagerten Wolkenschicht die Sonne auf. Das Bild und die Stimmung sind perfekt. Wir sind am Wendepunkt der Flussreise angekommen. Später geht es auf den großen Ausflug, die Berge gehören schon zu Spanien.

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Mit neun Stunden ist der Ausflug in die Universitätsstadt Salamanca angegeben. Salamanca liegt nicht auf der Zeitzone Greenwich so wie es seit der Ankunft in Portugal ist. Dort ist es eine Stunde später, die Reiseleitung gibt vor, dass wir uns an unsere bisherige portugiesische Zeit halten.

Die Busanfahrt dauert ca. 1 Std. 45 min und vergeht doch recht schnell, unterwegs sehen wir Kühe, viele Ochsen und Schafe auf der Hochebene. Salamanca selbst liegt auf 800 Höhenmeter und für den Ausflug sollte ein Pullover extra und vielleicht eine Mütze um diese Jahreszeit mitgenommen werden. Wir steigen an einem Hotel mitten in der Stadt aus, hier findet später das gemeinsame Mittagessen statt. Zweieinhalb Stunden Freizeit nutze ich für einen kleinen Bummel durch die Innenstadt. Am 1. November ist in Spanien auch Feiertag so wie in Deutschland. Souvenirläden und Schinken- und Wurstgeschäfte sind aber geöffnet. Salamanca ist sehr berühmt für die Schinkenherstellung, das Rohprodukt liefern schwarze Schweine, die sich ausschließlich von Eicheln ernähren. Ganz klar sind diese Geschäfte ein großer Anziehungsmagnet, auch heute. Überall gibt es leckere Schinkensandwiches, der Duft der Schinken lockt einen regelrecht in die Läden. Ich verweile noch etwas am bekannten Plaza Mayor bevor ich mich auf den Rückweg begebe. Am Plaza Mayor ist ein Bildnis des Ritterromanautors Miguel de Cervantes zu finden, er schrieb Don Quijote und lebte in Salamanca. An diesem Platz spielt das Leben, ein Café reiht sich an das Nächste, früher fanden hier Stierkämpfe statt, unglaublich. Etwas Zeit brauche ich, um zum Hotel zurückzukehren. Sicherer ist es, in einer fremden Stadt etwas eher zum Treffpunkt loszugehen.

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Im Hotel gibt es natürlich die Gelegenheit, die Toiletten zu benutzen. Der geräumige Saal ist für die Passagiere des Douro Cruisers mit stilvoll gedeckten Tischen vorbereitet. Es gibt Oliven, Käse und Schinken als Vorspeise und zum Hauptgang eine typisch spanische Paella. Zur Unterhaltung gibt es eine Flamencoshow. Ein üppiger Nachttisch rundet das Mittagessen ab. Anschließend fahren wir kurz mit dem Bus zum Treffpunkt mit der örtlichen Reiseleitung.

Eine der ältesten Universitäten der Welt

Zusammen gehen wir zu den wichtigsten Gebäuden und Plätzen der Stadt. Salamanca besteht hauptsächlich aus Sandsteingebäuden. Sandstein verfärbt sich in viele Facetten, wenn er verbaut ist. Das macht die Universitätsstadt so unverwechselbar. Von den ca. 160.000 Einwohnern leben ungefähr 40.000 Studenten aus vielen Ländern in Salamanca. Es sind also viele Sprachen auf den Straßen zu vernehmen und es ist jugendlich lebhaft. Das Maskottchen der Stadt ist ein Frosch auf einem Totenkopf, welcher in der Fassade im Universitätsgebäude verarbeitet ist. Eine alte Legende besagt, dass ein Student, der einen Frosch auf einem Totenschädel an der Fassade der Universität entdeckt, alle seine Prüfungen bestehen wird, egal wieviel er lernt. Der bekannte Dichter Luis de León studierte in Salamanca Theologie und lehrte später auch selbst an der Universität. Seine Vorlesungen begannen immer mit dem Satz “Wo waren wir nochmal stehengeblieben…” Diese Anekdote ist heute noch immer an der Uni zugegen und erinnert amüsant an den bekannten ehemaligen Studenten.

Granitfelsen, Weinberge, riesige Schleusen und jede Menge Portwein

Eines der größten Gebäude und schon bei der Anfahrt auf Salamanca ersichtlich ist die neue Kathedrale. Sie grenzt direkt an die alte Kathedrale. Die beiden Kirchen sind Teil der UNESCO-Weltkulturerbestätte. Kuppel und Glockenturm sind von Renaissance und Barock geprägt, die Gewölbe und Säulen erinnern an gotische Vorbilder. Die Bauzeit des größten Gebäudes der Stadt dauerte rund zweihundert Jahre.

Interessant ist auch das Muschelhaus “Casa de las Conchas”, ein Stadtpalast im Plateresco-Stil erbaut, dessen Fassade mit mehr als 300 Jakobsmuscheln versehen ist. Nach diesen vielen Eindrücken ist es Zeit, wieder zum Schiff zurückzukehren. Mit der Zeitumstellung sind wird um 17:30 h Bordzeit wieder auf dem Douro Cruiser. Gerade geht auch die Sonne unter, etwas Zeit zum Ausruhen auf der Kabine ist noch gegeben, bevor es zum Abendessen geht. In der Lounge/Bar gibt wird eine Vintage Portweinflasche auf besondere Art und Weise geöffnet.

Mandelbäume, Olivenbäume, Korkbäume

Die Nacht über lag der Douro Cruiser in Barca d´Alva. Schon abends gesellten sich immer mehr Schiffe dazu. Auch wir lagen im “Päckchen”, d.h. ein anderes Flusskreuzfahrtschiff hat neben uns festgemacht und unser Schiff wird zum Landgang genutzt. Dies ist auf allen Flüssen oft der Fall.

Um 8:45 Uhr startete die Busfahrt für den Halbtagesausflug. Währenddessen wir unterwegs sind, fährt der Kapitän mit dem Schiff bis nach Pocinho, wo wir nach dem Ausflug wieder zusteigen. Unsere Fahrt führt uns in das südliche Dourogebirge. In dieser Gegend gibt es viele Gänsegeier und Schwarzstörche. Statt Weinterrassen sind hier sehr viele Oliven- und Mandelbäume zu sehen. Hier ist auch die Korkeiche heimisch. Kork ist ein sehr haltbares Produkt, die Bäume können mehrfach geschält werden. Das erste Mal kann eine Korkeiche nach 30 Jahren geschält werden, die nachfolgenden Vorgänge können sich dann alle 9 Jahre wiederholen. Überall in den Läden gibt es tolle Korkprodukte käuflich zu erwerben wie Mützen, Handtaschen und Portemonnaies. Aufpassen, denn günstige Artikel sind oft eine Fälschung und haben nichts mit dem Rohstoff Kork zu tun! Nach ca. 30 min. erreichen wir den ersten Stopp unserer Tour. Das historisch portugiesische Dorf” Castelo Rodrigo” lädt zum Bummeln ein. Der Palast wurde 1590 erbaut und ist von einer Stadtmauer geschützt. Noch heute leben dort 40 Menschen innerhalb der Stadtmauern. Nach einem kleinen gemeinsamen Spaziergang über viel Kopfsteinpflaster inkl. Besuch der Hauptkirche (die Mutterkirche mit barocken Einflüssen) und vielen wissenswerten Informationen durch das Audiosystem von der Reiseleiterin haben wir noch genügend Zeit für eigene Erkundungen. Es kann Mandellikör probiert werden, in einem Café ein Heißgetränk bestellt werden und auch Souvenirs wie z.B. Mandeln in bestimmt 15 verschiedenen Geschmacksvarianten wie Salz, Kaffee, Ingwer gekauft werden. Die meisten Sorten können probiert werden. Ein Heißgetränk ist eine gute Wahl, denn es hat Nieselregen eingesetzt, windig ist es in den Bergen ebenfalls. Um diese Jahreszeit ist es zu empfehlen, eine wärmere Jacke mit dabei zu haben. Ein Regenschirm gehört auch auf jeden Fall mit in das Reisegepäck. So schön der farbige Herbst auch ist, so wechselhaft ist auch das Wetter. Die warme Zeit des Jahres ist auch in Portugal nun vorüber.

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Viel Nebel um Cristo

Die Busfahrt führt uns weiter zum nächsten Haltepunkt. Wir können den Berg bereits bei der Anfahrt gut erkennen, er ist 1.000 m hoch und ein Wolkenschleier zieht um dessen Kuppe. Vom Parkplatz ist die Statue Cristo Rei de Castello Rodrigo nicht weit, leider wird uns das bekannte Bild wegen des Wolkenschleiers nicht geboten, bei dem die Statue vor dem weiten Tal zu sehen ist. Oben nahe vom Parkplatzes befindet sich noch eine kleine Kirche. Nach ein paar Fotos fahren wir zum Schiff zurück, welches in Pocinho auf unseren Zustieg wartet. Gestartet ist der Douro Cruiser um 9.30 h in Barca d´Alva. Alle Gäste, die keinen Ausflug gebucht haben, können natürlich die Fahrt an Bord genießen.

Nachdem Mittagessen ist es Zeit auf das Sonnendeck zu gehen. Die folgenden Passagen sind sehr eng und erfordern Manövrierfähigkeit vom Kapitän. Diese engen Schluchten sind eine spannende Durchfahrt, welche ich noch nicht auf anderen Fahrtgebieten wie Donau, Main, Mosel, Rhein gesehen habe. Es beginnt etwas zu regnen, zum Glück hört es bald auf und wir erreichen früher als auf dem Tagesprogramm genannt unseren Hafen für die Nacht. Die Kleinstadt Pinhao liegt idyllisch in einer Schleife des Douros mit einem gegenüberliegenden Weinberg. Bevor es zum Abendessen außerhalb für alle Passagiere in eine typisch portugiesische Quinta (Weingut) geht, verabschieden sich die Kreuzfahrtleitung und der Hotelmanager von den Gästen mit einem Portwein for free im Salon.

Mit allen gemeinsam gehen wir bis zum Bahnhof von Pinhao. Groß ist der Bahnhof nicht, besonders hervorzuheben sind die malerischen Fliesen an der Außenfassade. Der Bus bringt uns in gut einer halben Stunde hoch in die Berge zur Quinta Avessada auf 600 m. Dort erwartet uns der Eigentümer Luis Barros (er hat tatsächlich in Mimik und Aussehen Ähnlichkeit mit Mr. Bean) mit einem Aperitif sowie einer sehr komödiantischen Vorstellung seiner Quinta. Die Tische sind gedeckt und ein Musiker spielt auf einem Akkordeon. Ein uriger Saal in toller moderner Atmosphäre erwartet die Gäste für einen geselligen Abend. Es gibt reichlich zu Essen und Trinken dazu gehören auch Weiß- und Rotwein. Die Nachspeise besteht aus drei süßen Verführungen, der Abschluss ist ein Grappa. Der Busfahrer bringt uns wieder sicher im Dunkeln die Bergstraßen hinab bis Pinhao. Ein Fußmarsch tut gut nach dem leckeren reichhaltigen Mahl bevor wir müde in die Betten fallen.

Sonnenschein – die Stadt hat uns wieder

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Der Temperatursturz ist am nächsten Morgen zu merken. Es ist merklich kühler auf dem Sonnendeck geworden, es ist gut, eine Mütze oder Kapuze zu haben. Dafür scheint aber die Sonne. Wir verlassen langsam das berühmte Dourotal mit den Weinbergen und es kann nichts Besseres geben, als sich mit blauem Himmel und Sonnenschein aus diesem imposanten Fahrtgebiet zu verabschieden. Die Einfahrt in die Stadt Porto wird vom Kreuzfahrtleiter durch die Lautsprecher kommentiert. Gegen 16 h sind wir auf freiem Fuß und schauen uns noch die Sachen an, die wir gerne sehen wollten. Ein Gang über die 60 m hohe Dom Luis I Brücke, der Blick von der Kaserne hinab auf den Douro, die Souvenirstände, die niedliche Tram, die Neustadt und die schöne Altstadt. Langsam tritt die Dämmerung ein. Viele Eindrücke, einige Fotos und 7 Kilometer später gehen wir zum Schiff zurück. Die Restaurants und Cafés sind mit Menschen gefüllt. Die Melodien der Straßenmusiker begleiten uns auf dem Weg zurück zum Schiff. Der Koffer ist schon fast gepackt bevor es zum Abendessen geht. Zum Abschluss gehen wir für einen Wein in ein typisch portugiesisches Lokal am Flussufer. Wir lassen die Impressionen der Reise ausklingen und sind sehr zufrieden. Es gab so viel Neues zu entdecken und zu erleben.

Granitfelsen, Weinberge, riesige Schleusen und jede Menge Portwein

Die Rückreise am nächsten Tag verläuft gut. Frühstück, Transfer zum Flughafen – keine Verspätung beim Flug und Zug. Nicko Cruises ist auf dem Fahrtgebiet Douro mit zwei Schiffen unterwegs. Dem Douro Cruiser (nicko classic) und der Nicko Serenity (nicko modern). Wer es modern er mag, sollte die Serenity wählen. Die Ausflüge ähneln sich, die Anlegestellen sind nicht genau gleich. Wenn auch das Schiff Douro Cruiser älter ist, so gibt es hier viele Balkonkabinen. Gerade in den Sommermonaten ist dies bestimmt sehr schön. Schiffsdetails: Douro Cruiser Länge 78,11 m / Breite 11,4 m / Tiefgang 1,5 m / max. 130 Passagiere / 30 Besatzungsmitglieder / Bordsprache deutsch.

Fotos: by IDa

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