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Große Chance in den Sand gesetzt
Mittwoch, 04 Juli 2018 | Autor: jm

Neubaupläne provozieren Verkehrschaos für den neuen Bahnhof

Image So führt der neue Hauptbahnhof ins Verkehrschaos, kritisiert die Grüne Ratsfraktion die vorgestellten Neubaupläne und kündigte an, man werde die Planung daher ablehnen. Dabei halten die Grünen einen Ersatz für den desolaten Bahnhof eigentlich schon lange für überfällig. In der Bevölkerung werde das Gebäude als Schandfleck wahrgenommen. Es gebe für viele Reisende und Umsteiger eine schlechte Visitenkarte Paderborns ab. Deshalb hatten nicht nur die Grünen in der Vergangenheit mit Nachdruck Gespräche zwischen der DB Station & Service AG und der Stadt eingefordert.

Daher war auch bei den Grünen die Freude zunächst groß, als die Pläne für einen Neubau des Bahnhofs in Kombination mit einem Hotel vorgestellt wurden. Endlich ein Ersatz für das marode Gebäude, endlich ein Bahnhof, der nicht so aussieht wie das sprichwörtliche Bahnhofsklo. Dafür sei man auch bezüglich der Ästhetik zu Abstrichen bereit gewesen.

Der Kater kam bei einem Vorort-Termin bei dem die grünen Ratsvertreter die Ausdehnung des neuen Gebäudes vor Ort nachstellten. Dabei wurde schnell klar, dass der neue Bahnhof zu wenig Platz für den Verkehr lässt. Bis auf sieben Meter rücke der Bahnhof an die Bordsteinkante der Bahnhofstraße heran. Der Vorplatz werde damit mehr als halbiert. Im Bereich der Apfelbaum-Skulptur, wo schon die Bushaltestelle beginne, blieben für die Fußgängerströme und den Radweg gerade einmal vier Meter. Die Gebäudekante rücke dort bis auf den vorhandenen Radweg vor.

Wie auf den verbliebenen Flächen der Verkehr organisiert werden solle, habe anscheinend überhaupt niemand bedacht. Auch auf Nachfrage habe man keinerlei Konzept für eine künftige Führung des Fuß- und Radverkehrs vorlegen können, beschreiben die Grünen.

„Wir sind fassungslos, wie bei den Verhandlungen ein so zentraler Punkt aus dem Blick geraten konnte. Es fehlt in der Planung jegliches Problembewusstsein für die zukünftige verkehrliche Situation. Gegenseitige Behinderung und Konflikte sind vorprogrammiert“, kritisieren die beiden Fraktionssprecher Petra Tebbe und Klaus Schröder. „Man muss nur einmal mit ansehen, wie ein Zug voll Menschen aus dem Bahnhof Richtung Bushaltestellen geht, um zu sehen, dass man das nicht auf die Restfläche zwischen Gebäude und Bordstein quetschen kann – nicht einmal, wenn man den Radverkehr dort auf die Fahrbahn verlegt.“

Dabei empfinden die Grünen die Situation auf dem Vorplatz schon jetzt als heikel und insbesondere in den Spitzenzeiten sehr konfliktträchtig. „Wir hatten deshalb schon vor einiger Zeit Veränderungen angemahnt. Nachdem die Verwaltung aber wiederholt signalisiert hat, dass sie in verkehrlicher Hinsicht keinen größeren Handlungsbedarf sieht, besteht nur wenig Hoffnung auf Nachbesserung“ schätzt der grüne Verkehrsexperte Stefan Schwan die jetzige Situation ein. „Wenn der Bahnhof in der geplanten Ausdehnung kommt, ist eine vertretbare Verkehrsführung ohne Eingriff in die vorhandenen vier Fahrbahnen kaum denkbar.“

Unklar sei den Grünen auch, wie demnächst der Fan-Reiseverkehr zu den Spielen des SCP abgewickelt werden solle. „Wenn man verhindern will, dass die Fans zwischen den Verkehr auf der Fahrbahn geraten, wird man die Bahnhofstraße bei diesen Gelegenheiten wohl teilsperren müssen“, befürchtet Stefan Schwan.

Beide Komponenten, sowohl der Gebäudekomplex als auch die verkehrliche Lage müssten für einen erfolgreichen Entwurf aufeinander abgestimmt sein. „Wir müssen Bahn-, Fuß- und Radverkehr zusammen denken. Der geplante Neubau denkt aber nur an den Bahnhof und provoziert Verkehrschaos an einer zentralen Mobilitätsdrehscheibe“, stellt Klaus Schröder. fest. Die Grünen erinnern daran, dass die Verwaltung 2014 für einen Neubau sogar die Verbesserung der Situation an den Taxistellplätzen versprochen habe. Im Ergebnis habe der Verkehr nun offensichtlich überhaupt keine Rolle gespielt.

Stefan Schwan: „Schon vor zwei Jahren haben wir eingefordert, bei der Neuplanung des Bahnhofs den Radverkehr und die Abstellmöglichkeiten mit einzubeziehen. Stattdessen scheint man völlig vergessen zu haben, dass ein Bahnhof auch erreichbar sein muss. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Verkehrsteilnehmer, die den Bahnhof zu Fuß, mit dem Rad oder Bus anfahren.“

Ungeklärt ist für die Grünen auch, wo zukünftig noch Platz für das Fahrradparken am Bahnhof sein soll, wenn das bisherige Stellplatz-Provisorium überbaut wird. „Angesichts der seit Jahren angespannten Abstellsituation vor dem Bahnhof ist ein lapidarer Verweis auf ein angedachtes Fahrradparkhaus eine Unverschämtheit.“ Um den Umstieg auf die Bahn attraktiv zu machen, brauche es mittelfristig mindestens 600-700 Abstellplätze, rechnet Ratsmitglied Florian Rittmeier vor. „Die für das Fahrradparkhaus vorgesehen Fläche der jetzigen Radstation wird für diese Größenordnung nicht reichen. Und neben einigen überdachten Parkplätzen sollte ein Großteil davon leicht zugänglich sein und nicht in einem Parkhaus versteckt werden.“

„Es rächt sich jetzt, dass die Verwaltung in den letzten Jahren ohne Rückkopplung an die Politik über den neuen Bahnhof verhandelt hat.“, so Schröder weiter. „Auf alle Anfragen wurde immer nur geantwortet, man sei in Gesprächen. Jetzt wurde diese große Chance für Paderborn in den Sand gesetzt.“

Das Foto (Quelle Bündnis90/Die Grünen Paderborn) zeigt die Fraktion beim Nachstellen der geplanten Ausmaße. V.l. Klaus Schröder, Petra Tebbe, Florian Rittmeier, Stefan Schwan, Susanne Schüssler und Claus-Jürgen Wagner.


 


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