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Franziskus - Licht aus Assisi
Donnerstag, 08 Dezember 2011 | Autor: Mirjam Flender

Große kunst- und kulturhistorische Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn eröffnet am 9. Dezember 2011

PADERBORN. In der Reihe seiner bekannten Mittelalter-Ausstellungen zeigt das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn vom 9. Dezember 2011 bis zum 6. Mai 2012 eine große kunst- und kulturhistorische Ausstellung zu Franziskus von Assisi und den franziskanischen Ordensgemeinschaften. Mit „Franziskus – Licht aus Assisi“ widmet sich erstmals seit 30 Jahren wieder eine Ausstellung im deutschsprachigen Raum der Person des Heiligen. Die Ausstellung wird ergänzt durch eine eigene Einheit im Franziskanerkloster Paderborn sowie eine zeitgenössische großformatige Filminstallation in der Paderborner Innenstadt.

Franziskus von Assisi (1181/82-1226) zählt zu den bedeutendsten Heiligen des Mittelalters. Freiwillige Besitzlosigkeit und Friedfertigkeit, Demut und Fürsorge gegenüber den Mitmenschen, die Verantwortung gegenüber der Schöpfung sowie der Dialog zwischen den Religionen kennzeichnen den Lebensentwurf des Mannes aus Assisi. Durch Jahrhunderte hindurch hat er Menschen inspiriert, die nach religiös-spiritueller Neuausrichtung ihres Lebens strebten, und hat darin auch heute nichts von seiner Faszination verloren.

Die Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ umfasst 14 themenbezogene Einheiten. Am Anfang stehen die charismatischen Gründergestalten Franziskus und Klara von Assisi. Ihre radikale Lebenswende vollzog sich im Umfeld der prosperierenden Stadtkommunen Mittelitaliens am Anfang des 13. Jahrhunderts. Die Ausstellung beleuchtet wichtige Aspekte der beeindruckenden Wirkungsgeschichte der Orden in Mittelalter und Neuzeit bis zur Aufhebung vieler Konvente in Folge von Säkularisation und Kulturkampf im 19. Jahrhundert. Zentrale Leitmotive franziskanischer Spiritualität werden anhand von Lebensbildern bedeutender Heiliger wie Bernhardin von Siena, Johannes Duns Scotus, Antonius von Padua, Berthold von Regensburg und Elisabeth von Thüringen vorgestellt.

Rund 200 Exponate aus nationalen und internationalen Museen und Bibliotheken sind in der Paderborner Ausstellung zu sehen. Zu den Leihgebern zählen unter anderen der Louvre, das Nationalmuseum Kopenhagen, die Pinacoteca Vaticana und das Museo di Roma, das Museo del Tesoro della Basilica di San Francesco Assisi, das Nationalmuseum in Luxemburg, die Biblioteca Medicea Laurenziana Florenz, die Staatsbibliothek und das Kunstgewerbemuseum Berlin, das Bayerische Nationalmuseum München und die Domschatzkammer zu Köln. Auch zahlreiche Konvente, etwa in Altötting, Füssen, Eichstätt und Luzern, steuern bisher noch nie ausgestellte Exponate zur Ausstellung bei.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ zählen herausragende Werke der frühen italienischen Tafelmalerei, wie eine der ersten Darstellungen des hl. Franziskus von Margaritone d‘Arezzo aus dem 13. Jahrhundert und zwei Tafelbilder von Fra Angelico, barockzeitliche Meisterwerke von Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck oder Georges de la Tour sowie kostbar illuminierte Handschriften, wie die Legende des hl. Franziskus nach Bonaventura.

Auch aus Assisi selbst kommen zahlreiche bedeutende Objekte: Kelch und Patene des hl. Franziskus, die ihm der Überlieferung nach ein Priester geschenkt hat, sowie ein Brevier, das er selbst benutzt haben könnte. Erstmals in Deutschland werden Fragmente der beim Erdbeben von 1997 beschädigten Gewölbemalereien aus der Kirche von San Francesco in Assisi ausgestellt. Die Grabeskirche des hl. Franziskus in Assisi zählt zu den sieben ranghöchsten katholischen Gotteshäusern, deren Inneres Fresken der wichtigsten Maler des 14. Jahrhunderts wie Giotto, Cimabue oder Simone Martini schmücken.

Die Exponate der Ausstellung werden ergänzt durch sechs Installationen des Schriftkünstlers Brody Neuenschwander, darunter die Arbeit „Man in the Habit“, die auf anschauliche Weise das franziskanische Ordensgewand und seine Symbolik erläutert. Für eine Installation zum berühmten Sonnengesang des Franziskus hat Brody Neuenschwander die Originalhandschrift des Heiligen rekonstruiert.

Die Ausstellungseinheit „Unser Kloster ist die Welt“ im Franziskanerkloster Paderborn dokumentiert das Engagement der franziskanischen Gemeinschaften in Kirche und Gesellschaft vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Im Fokus der Schau stehen franziskanische Lebensentwürfe zwischen Industrialisierung und Globalisierung angesichts einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft. Die Ausstellung wurde von der Fachstelle Franziskanische Forschung Münster kuratiert.

„Franziskus – Licht aus Assisi“ findet auf Initiative der deutschsprachigen franziskanischen Orden und mit Unterstützung der franziskanischen Gemeinschaften vor Ort statt. Sie steht unter der Schirmherrschaft der drei Generalminister der Franziskaner, Franziskaner-Minoriten und Kapuziner mit Sitz in Rom sowie des Erzbischofs von Paderborn. Die Ausstellung ist in enger Kooperation mit der Fachstelle Franziskanische Forschung in Münster und der Professur für Geschichte des Mittelalters an der Universität Potsdam sowie mit Unterstützung sämtlicher deutschsprachiger Provinzen der Ordensfamilie entstanden.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag München, der alle Facetten des Themas in Beiträgen renommierter Wissenschaftler beleuchtet. Der Begleitband zu der Tagung „Gelobte Armut. Armutskonzepte der franziskanischen Ordensfamilie zwischen Ideal und Wirklichkeit vom Mittelalter bis in die Gegenwart“, die im Vorfeld der Ausstellung stattfand, wird vom Verlag Ferdinand Schöningh herausgegeben.

Filminstallation „Donnerstag“ In der Paderborner Fußgängerzone setzt das zeitgenössische Künstlerduo M+M in einer großformatigen Filminstallation eine Szene aus dem Leben des hl. Franziskus ins 21. Jahrhundert: den Bruch mit seinem Vater und die radikale Abkehr vom Reichtum. Die Arbeit mit dem Titel „Donnerstag“ entstand im Auftrag der Ausstellungsgesellschaft Paderborn und wurde kuratiert von Florian Matzner. Sie ist täglich nach Einbruch der Dämmerung zu sehen.

Begleitprogramm Zur Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ wird ein breites Begleitprogramm mit Vorträgen und Sonderführungen angeboten. Die Bildungsstätte des Erzbistums Paderborn Liborianum veranstaltet beispielsweise einen Bildungstag mit einem Vortrag sowie einer Führung durch die Ausstellung. Die Tourist Information Paderborn lädt zu Sonderführungen ein, wie der Tour „Auf franziskanischen Spuren in Paderborn“, die zu den Wirkungsstätten der Franziskaner in Paderborn führt.

Am Eröffnungstag, dem 9. Dezember 2011, können die Besucherinnen und Besucher den Ausstellungsteil im Diözesanmuseum Paderborn von 18.00 bis 24.00 Uhr zum ermäßigten Eintrittspreis besichtigen.

Weitere Informationen unter: www.dioezesanmuseum-paderborn.de

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