Größere Lager, weniger In-Time-Produktion – ist das die Zukunft?

Roboter im Warenversand

Die Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft kamen einer Katastrophe gleich. Dafür gibt es vielfältige Gründe; ein Thema ragt jedoch weiterhin aus der Menge hervor.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Neue Prämissen sind gefragt

Innovative Geschäftsideen sind in der Region immer gerne gesehen, wie der Ideenwettbewerb „Call for Ideas“ im Juni dieses Jahres unter Beweis stellte. Das Timing hätte kaum zeitgemäßer sein können, da 2020 ohnehin im Zeichen des Wandels steht. Dies betrifft auch wirtschaftliche Standards, wie sie seit Jahrzehnten in der zunehmend globalisierten Welt verankert sind. So steht allen voran die sogenannte Just-in-Time-Produktion auf dem Prüfstand, da ihre Schwächen in der Pandemie schonungslos offengelegt wurden.

Um Engpässe dieser Art künftig zu vermeiden, werden die Lieferketten nun gründlich überdacht. Selbst steigende Produktionskosten gelten dabei nicht mehr als gewichtiges Gegenargument, da sich gezeigt hat, dass Sicherheit und Flexibilität diese Mehrkosten oftmals relativieren können. Schließlich gibt es kaum einen Wirtschaftszweig, der sich nicht mit logistischen Fragen befassen muss; sei es die Automobilindustrie, die Unterhaltungselektronik, die Lebensmittelbranche oder die Fashion-Welt mit ihrem wachsenden Hang zu Premium-Produkten, muss die Handlungsfähigkeit zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein.

Sicherheit gewinnt an Bedeutung

Es darf deswegen zumindest darüber spekuliert werden, ob die Abkehr der Prämisse „so günstig wie nur möglich“ bevorsteht. Denn: Die Coronakrise hat das Problem lediglich in den Mittelpunkt gerückt, allerdings nicht neu erfunden. So galten die weltweiten Lieferketten bereits seit Jahren als bedroht, einerseits wegen der zunehmend schwierigeren Weltpolitik, mehr aber noch hinsichtlich des Klimawandels, der noch eine ganz andere Ausprägung erreichen wird.

Größere Lagerbestände sind ein Teil der Antwort auf dieses Problem, wenn auch keineswegs ausschließlich. Kurzfristige Ausfälle in der Supply Chain lassen sich nämlich nur dann auffangen, wenn eine solche Situation mit all ihren Aspekten eingeplant wurde. In der Regel war das bislang nicht der Fall: Unter dem Dogma der größtmöglichen Optimierung waren jegliche Abläufe im Materialfluss so fein getrimmt, dass für Abweichungen kaum Platz war. Und wegen der immer längeren Lieferketten wirkten sich einzelne Ausfälle mit Domino-Effekt aus.

Das gilt umso mehr bei komplexen Produkten, für die spezialisierte Materialien, Fertigungsvorgänge und Mitarbeiter nötig sind. Da Trend zu solchen Produkten nicht umkehrbar ist, sondern nur eine Folge des technologischen Fortschritts, gilt es, hier neue Lösungen zu finden. Als solche könnten Künstliche Intelligenzen ins Spiel kommen: Fortschrittliche Computer sollen schon bald in der Lage dazu sein, Engpässe früh zu erkennen und alternative Wege vorzuschlagen. Ein niedrigeres Risiko wäre die Folge, stockende Lieferketten ließen sich geschickt umgehen und die Weltwirtschaft hätte einen großen Schritt in Richtung Krisensicherheit gemacht, und das ohne der Globalisierung den Rücken zu kehren.

Bild: ©istock.com/Fotomek

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