Zusatzversicherungen: Wie sinnvoll sind sie wirklich?

Patientin auf dem Behandlungsstuhl
Implantate, Kronen, Brücken: Zahnersatz ist teuer, eine passende Versicherung federt den Kostendruck ab.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt Leistungen, die „das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“. Doch was ist „das Maß des Notwendigen?“ Das sieht naturgemäß jeder anders. Der eine geht regelmäßig zum Heilpraktiker und erachtet die Termine dort als unverzichtbar. Der andere verlangt Chefarztbehandlung und würde niemals darauf verzichten. Zusatzversicherungen gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Dieser Beitrag informiert über Zusatzversicherungen und soll als Entscheidungshilfe dienen.

Zusatzversicherungen sind immer freiwillig

Zahlreiche gesetzliche Krankenversicherungen vermitteln Zusatzversicherungen. Verbraucher müssen wissen, dass der Kooperationspartner ihrer GKV der Vertragspartner wird. Kommt es also zu Auseinandersetzungen, ist immer die Zusatzversicherung der Ansprechpartner, niemals die GKV. Zu bedenken ist, dass über die GKV abgeschlossene Zusatzversicherungen oft mit Preisvorteilen locken. Dennoch ist es empfehlenswert, mehrere Angebote miteinander zu vergleichen. Denn die gewählte Police muss zum individuellen Anforderungsprofil passen und die entsprechende Leistung beinhalten.

Die GKV übernimmt lediglich die Leistungen, die gesetzlich festgelegt sind. Wenn ein Patient darüberhinausgehende Leistungen beansprucht, muss er selbst bezahlen – es sei denn, eine Zusatzversicherung tritt ein. Zusatzversicherungen übernehmen beispielsweise die folgenden Kosten:

  • Kosten, die die GKV (meistens) gar nicht trägt: Heilpraktikerbehandlung, Krankenrücktransport aus dem Ausland
  • Kosten, die die GKV nur teilweise trägt: Zahnersatz
  • Kosten für Behandlungen, die die GKV nur in begründeten Ausnahmefällen übernimmt: Chefarztbehandlung bei einem Krankenhausaufenthalt

Leistungen der Zusatzversicherungen sind immer begrenzt

So mancher Verbraucher schließt aufgrund eines attraktiven Slogans, der ihnen eine pauschale „First-Class-Behandlung“ verspricht, eine Zusatzversicherung ab. Beanspruchen sie dann die Leistungen, sind sie oft enttäuscht, wenn sie eine Rechnung einreichen und der Versicherer die Kostenübernahme teils oder komplett verweigert. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich die Policen ganz genau anzusehen, da generell Einschränkungen seitens des Zusatzversicherers vorgenommen werden.

Auslandsreise-Krankenversicherung ist sehr zu empfehlen

Der Krankenversicherungsschutz im Ausland ist von übergeordneter Bedeutung, da er für nahezu jeden wichtig ist. Alle, die ins Ausland reisen, brauchen diesen Versicherungsschutz. Das gilt nicht nur für gesetzlich Versicherte, sondern auch für diejenigen, die eine private Krankenversicherung ihr Eigen nennen. Wenn dort nicht explizit vereinbart ist, dass ein medizinisch notwendiger Rücktransport aus dem Ausland abgedeckt ist, ist die Auslandsreise-Krankenversicherung unverzichtbar.

Die Assekuranz übernimmt Kosten, die für die Behandlung bei akuten Erkrankungen im Ausland entstehen. Außerdem sorgt sie für den medizinisch notwendigen Rücktransport in die Heimat und trägt die Kosten. Diese können mitunter sehr hoch werden. Abhängig sind die Kosten vom Rücktransportmittel und von der Entfernung. So kostet beispielsweise der Rücktransport mit einem Flugzeug von Mallorca in den süddeutschen Raum rund 12.500 €. Falls ein Flug von Südamerika zurück nach Deutschland fällig wird, entstehen Kosten in Höhe von mehr als 70.000 €. Ohne Versicherung kann das einen wirtschaftlichen Totalschaden nach sich ziehen.

Sinnvoll: Zahnzusatzversicherung

Dass eine Zahnzusatzversicherung grundsätzlich sinnvoll ist und sich in vielen Fällen lohnt, sagt unser Beitrag über das Thema Zahnzusatzversicherung bereits aus. Und auch Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale schreiben, dass eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll ist, weil der gesetzliche Kassenzuschuss nicht die kompletten Kosten abdeckt. Beide empfehlen einen Vergleich der Angebote, um eine Zahnzusatzversicherung mit dem passenden Leistungsspektrum zu fairen Konditionen zu finden.

Dazu empfehlen sich Vergleichsanbieter wie Moneycheck.de, die beispielsweise auch die Möglichkeit bieten, gezielt nur Versicherungen zu finden, die ohne Gesundheitsfragen abgeschlossen werden können. So ist es einfacher, einen Versicherer zu finden, der auf eine vorherige Überprüfung des Gesundheitszustandes von Kunden verzichtet. Das ist besonders praktisch für diejenigen, für die eine Gesundheitsprüfung eine Hürde bei der Aufnahme in eine Versicherung bedeuten würde. Eine Zahnzusatzversicherung ohne Gesundheitsfragen bietet auch denjenigen Zugang, die aufgrund einer relevanten Vorerkrankung von anderen Assekuranzen abgelehnt werden.

Denn unterm Strich ist eine Zahnzusatzversicherung für all jene interessant, die mit einer besseren Versorgung als der gesetzlich vorgeschriebenen liebäugeln. Dabei geht es zum Beispiel um Kronen, Brücken, Inlays und Implantate, die recht kostenintensiv sein können. Eine Zahnzusatzversicherung übernimmt anteilmäßig Kosten des höherwertigen Zahnersatzes, wobei der Anteil je nach Vertrag zwischen 40 und 90 % variiert. In Bezug auf die gesetzliche Regelversorgung kann sogar die Übernahme von 100 % der Kosten vereinbart werden. Bei der Auswahl der Zahnzusatzversicherung ist darauf zu achten, welche Leistungsbegrenzungen inkludiert sind. Diese beziehen sich oft auf Implantate oder grundsätzlich auf Erstattungsgrenzen für das Zahnarzthonorar.

Stationäre Zusatzversicherung, Pflegezusatzversicherung und Senioren-Unfallversicherung

Ebenfalls in die Kategorie „sinnvoll“ fallen die stationäre Zusatzversicherung, die Pflegezusatzversicherung und die Senioren-Unfallversicherung.

Stationäre Zusatzversicherung

Wer Wert auf ein Einbett- oder Zweibettzimmer legt oderauf eine Chefarztbehandlung nicht verzichten will sowie Freiheit bei der Krankenhauswahl wünscht, sollte über die stationäre Zusatzversicherung nachdenken. Auch hier gilt es selbstverständlich, die Leistungen und Preise der unterschiedlichen Policen miteinander zu vergleichen.

Die stationäre Zusatzversicherung sollte Chefarzthonorare übernehmen, die die privatärztliche Gebührenordnung zugrunde legen. Zudem muss der Aufpreis für die Unterbringung in einem Einbett- oder Zweibettzimmer inkludiert sein sowie Mehrkosten, wenn der Versicherte sich entscheidet, ein anderes als das in der Nähe gelegene örtliche Krankenhaus anzufahren.

Pflegezusatzversicherung

Früher oder später kommen viele in die Situation, sich von Alltagsbegleitern oder Pflegekräften unterstützen zu lassen. Generell ist eine Pflegezusatzversicherung nicht nur für GKV-Versicherte, sondern auch für privat Krankenversicherte sinnvoll. Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung trägt nämlich nur einen Teil der anfallenden Kosten. Die Zusatzpolicen haben allerdings einen Nachteil: Die Beiträge steigen im Laufe der Zeit und nur, wer lebenslang in der Lage ist, die Beiträge zu zahlen, kann die Leistungen bei Bedarf ausschöpfen.

Wer eine Pflegezusatzversicherung hat, dem steht jeden Monat ein Geldbetrag zur freien Verfügung. Außerdem werden aus der Zusatzversicherung die Pflegekosten bezuschusst, die für Leistungen im eigenen Haushalt oder ein Pflegeheim anfallen.

Umgefallenes Tablettenfläschchen auf dem Tisch.
Nur wer regelmäßig einen Heilpraktiker aufsucht sollte über den Abschluss einer entsprechenden Versicherung nachdenken.

Überflüssig oder nur bedingt sinnvoll: diese Versicherungen müssen nicht sein

Komplett überflüssig sind Brillenversicherungen und Kostenerstattungstarife.  Eine Brillenversicherung rechnet sich nicht, es ist meist günstiger, das Geld für die Sehhilfe – Brillen oder Kontaktlinsen – selbst anzusparen, vielleicht besteht sogar die Möglichkeit seine Augen lasern zu lassen. Kostenerstattungstarife sind eigentlich nur für Ärzte oder Zahnärzte interessant, nicht aber für die Versicherten. Die Behandler bekommen für dieselbe Behandlung nämlich einfach nur eine höhere Vergütung. Die Versicherten selbst bekommen allerdings keine besondere Behandlung dafür und können auch keine Privatpraxis aufsuchen. Reine Kostenerstattungstarife sind deshalb nicht ratsam.

Bedingt zu empfehlen sind Ergänzungstarife, wie zum Beispiel für Heilpraktikerbehandlungen oder Vorsorgeuntersuchungen. Diese Ergänzungstarife sind nur dann sinnvoll, wenn Betroffene tatsächlich planen, die Behandlungen regelmäßig zu beanspruchen. Falls nicht, lohnen sich diese Policen nicht.

Fazit: Nicht jeder Zusatzversicherung rechnet sich. Verbraucher müssen sich über ihren Bedarf klar werden und sollten nur Policen abschließen, die vom Leistungsumfang auf Ihr Anforderungsprofil passen. Dabei sollten sie stets einen Versicherungsvergleich vornehmen, um das Angebot mit dem passenden Preis-Leistungsverhältnis zu finden.

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