Tür im Schloss – was darf der Schlüsseldienst kosten?

Mann bearbeitet Türschloss.

Wenn die Tür ins Schloss fällt und einem siedend heiß einfällt, dass man keinen Schlüssel eingepackt hat, ist das nicht nur ärgerlich und kostet Zeit, sondern auch meist unglaublich teuer. Besonders wichtig: Für die Türnotöffnung unbedingt einen seriösen Schlüsseldienst beauftragen. Immer wieder gehen Streitigkeiten zwischen Bewohnern und Schlüsseldiensten bis vor Gericht. Vor dem Landgericht Kleve mussten sich zwei Mitarbeiter der deutschen Schlüsseldienst-Zentrale (DZS) verantworten. In über 1000 Fällen wurde ihnen Betrug wegen vollkommen überzogener Honorare vorgeworfen. Einer der beiden Täter war schon einmal wegen Betruges verurteilt worden. Er wurde zu sechs Jahren, sein Kollege zu vier Jahren Haft verurteilt. Daraufhin sollen sie aus dem Gefängnis heraus die Ermordung des Staatsanwalt beauftragt haben. Ob die Betrüger tatsächlich derart brutal zurückschlagen wollten, wird aktuell aufgeklärt.

Betrüger gut getarnt

Die Täter gingen sehr geschickt vor, tarnten sich durch die Angabe einer regionalen Nummer als örtlicher Schlüsseldienst. Vorher wurde am Telefon ein moderater Preis verabredet, nach Türöffnung allerdings eine Rechnung von über tausend Euro präsentiert. Die Masche ging auf, über 100.000 Euro sollen sie insgesamt erbeutet haben. Der Betrug von kriminellen „Schlüsseldiensten“ kann viele Facetten haben. Oft werden „Zusatzleistungen“, „Spezialwerkzeugzuschlag“ und horrende Fahrtkosten in Rechnung gestellt. Da die Delikte von unseriösen Schlüsseldiensten nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik aufgeführt werden, ist nicht zu beziffern, wie viele Delikte pro Jahr es in Deutschland gibt.

Seriöse Anbieter haben gute Preise

Bei den Betroffenen sorgt so ein Betrug vor allem für jede Menge Stress. Natürlich soll so etwas nicht nochmal passieren. Aber wie schützen sich Bewohner vor Betrügern und woran erkenne ich einen seriösen Schlüsseldienst? Der Bundesverband Metall (BVM) hat eine Empfehlung ausgesprochen: tagsüber sollten es exklusive Fahrtkosten nicht mehr als 76 Euro sein. Auch die Verbraucherzentralen haben bei einer Umfrage unter 600 Schlüsseldiensten Durchschnittspreise errechnet. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Eine Türöffnung (auch hier Fahrtkosten ausgenommen) sollte unter 100 Euro kosten. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Nordrhein-Westfalen liegt mit durchschnittlich 77 Euro im Mittelfeld. Besonders günstig ist es in Mecklenburg-Vorpommern mit 58 Euro, am teuersten in Rheinland-Pfalz mit 84 Euro. Wenn die Tür nachts, am Wochenende oder an Feiertagen ins Schloss gefallen ist, sollten nicht mehr als 150 Euro berechnet werden.

Bei Verdacht die 110 wählen

Sollte man sich vom Schlüsseldienst betrogen fühlen, rät das Landeskriminalamt grundsätzlich dazu, sofort die Polizei einzuschalten und Anzeige zu erstatten. Das gilt auch für den Fall, dass ein Monteur droht, die gerade geöffnete Tür wieder zu verschließen oder den Betroffenen einschüchtert. Auf keinen Fall sollten sich Bewohner in irgendeiner Form bedrängt fühlen. Um unseriöse Angebote sofort zu erkennen, hat die Verbraucherzentrale zusammen mit der Landespolizei einen Leitfaden erstellt.

Bild: ©istock.com/AndreyPopov

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